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Die Frage, die ich mir jeden Sonntagabend stelle

  • 31. Juli 2026
  • 5 Min. Lesezeit
Frau Ende 40 sitzt am Sonntagabend ruhig mit einer Tasse Tee und reflektiert – gut zu sich selbst sein

Sonntagabend. Die Woche ist vorbei, die neue liegt schon auf der Lauer. Früher habe ich diesen Moment genutzt, um mich zu wappnen: To-do-Listen schreiben, gute Vorsätze fassen, mir ein paar aufmunternde Sätze sagen. Heute mache ich nur noch eines. Ich stelle mir eine einzige Frage.

Der Sonntagabend – Sog

Du kennst diesen Moment vielleicht. Die Kinder sind versorgt, die Küche ist halbwegs aufgeräumt, und statt Ruhe macht sich eine leise Unruhe breit. Der Kopf springt schon in den Montag. Was steht an, was darf nicht liegen bleiben, wen muss ich noch erinnern. Der Sonntagabend, der eigentlich ein Ausklang sein könnte, wird zur Startrampe für die nächste Woche.

Jahrelang habe ich genau das gemacht. Ich habe den Abend gefüllt, damit bloß keine Lücke bleibt – als wäre eine unverplante Stunde ein Versäumnis. Ich habe vorbereitet, sortiert, mich innerlich schon in Position gebracht. Und je voller ich diesen Abend gemacht habe, desto müder bin ich in die neue Woche gegangen. Die Erholung, die ich mir am Wochenende erhofft hatte, war am Sonntagabend schon wieder aufgebraucht.

Das Verrückte daran: Von außen sah das nach Fürsorge aus. Nach einer Frau, die ihr Leben im Griff hat. In Wahrheit war es das Gegenteil. Ich habe für alle und alles vorgesorgt – für die Woche, die Termine, die Erwartungen der anderen. Nur für mich selbst war in dieser Vorsorge kein Platz. Ich war die Einzige, die auf meiner Liste nicht vorkam.

„Ich habe den Sonntagabend jahrelang benutzt, um mich auf die Woche vorzubereiten – nie, um bei mir anzukommen.“

Was ich lange geglaubt habe

Ich dachte, eine gute Woche beginnt mit der richtigen Einstellung. Also habe ich an meiner Einstellung gearbeitet. Ich habe mir gesagt, dass ich das alles schaffe. Dass ich stark bin. Dass ich genug bin. Schöne Sätze, gut gemeint, ordentlich aufgesagt.

Nur haben sie selten gehalten. Meistens sind sie an mir abgeprallt, weil ein Teil von mir sie in diesem Moment einfach nicht geglaubt hat. Ich stand da, sagte mir „Ich bin genug“ – und dachte gleichzeitig an die drei Dinge, die ich diese Woche wieder nicht geschafft hatte. Ich wollte mich besser reden, statt mich ehrlich anzuschauen. Dass diese Sätze sogar nach hinten losgehen können, habe ich erst später verstanden – und in meinem Artikel  Warum Affirmationen deinen Selbstwert nicht stärken – und was wirklich wirkt ausführlich beschrieben. An jenem Sonntagabend spürte ich nur: So komme ich mir nicht näher.

Ich glaubte außerdem, dass Innehalten Zeit kostet, die ich nicht hatte. Fünf Minuten für mich? Die konnte ich sinnvoller nutzen. Also habe ich sie in die Vorbereitung gesteckt, in die Liste, in das nächste Erledigte. Heute weiß ich: Diese fünf Minuten haben mich nie Zeit gekostet. Gefehlt haben sie mir trotzdem – nicht nur am Sonntag.

Was ich heute weiß

Heute weiß ich, dass eine einzige ehrliche Frage mehr bewegt als dreißig aufmunternde Sätze. Die Sätze reden über mich hinweg. Die Frage lädt mich ein, bei mir zu bleiben.

Die Frage, die ich mir jeden Sonntagabend stelle, ist schlicht: War ich diese Woche für mich da? Mehr nicht. Kein Bewerten, kein Optimieren, kein Vorsatz für die nächste Woche. Nur ein ehrlicher Blick zurück.

Manche Wochen kann ich mit einem leisen Ja beantworten – dann spüre ich es sofort, eine kleine Wärme. Andere Wochen mit einem ehrlichen Nein. Und dieses Nein ist kein Versagen. Es ist eine Information. Es zeigt mir nicht, dass ich zu wenig getan habe, sondern dass ich mich zu oft hintenangestellt habe. Und genau da darf ich in der kommenden Woche ein bisschen sanfter mit mir sein.

Ich erinnere mich an einen Sonntag, an dem die Antwort ganz klar Nein war. Ich hatte funktioniert, gestemmt, alle Bälle in der Luft gehalten – und war mir selbst die ganze Woche nicht ein einziges Mal begegnet. Früher hätte ich mich dafür getadelt. Diesmal habe ich nur genickt und mir eine kleine Sache für die neue Woche vorgenommen: eine halbe Stunde, in der niemand etwas von mir will. Keine große Geste. Aber sie hat etwas verändert.

„Eine ehrliche Frage bringt mich näher zu mir als dreißig schöne Sätze.“

Wie du es ausprobieren kannst

Du brauchst dafür nichts. Kein Notizbuch, kein Ritual, keine Kerze. Nur fünf ruhige Minuten und die Bereitschaft, ehrlich zu antworten.

Setz dich einen Moment hin, bevor der Sonntagabend ganz verklingt. Atme einmal tief durch – und wenn der Kopf dabei noch zu laut ist und schon im Montag steckt, hilft dir vielleicht mein kostenloses Audio Feierabend für den Kopf, um überhaupt erst anzukommen. Und dann stell dir deine Frage. Vielleicht ist es meine – War ich diese Woche für mich da? Vielleicht passt eine andere besser zu dir: Was hat mich diese Woche getragen? Oder: Wovon hätte ich weniger gebraucht?

Wichtig ist nur eines: Lass die Antwort kommen, ohne sie sofort zu reparieren. Du musst nichts lösen. Du darfst nur hinschauen. Wenn die Antwort unbequem ist, halte sie trotzdem einen Moment aus, statt sie wegzuschieben. Denn genau dieses Hinschauen ist schon eine Form, dich wichtig zu nehmen – nicht in Worten, sondern in Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist etwas, das man nicht behaupten kann. Man schenkt sie. Auch sich selbst.

Und wenn ein Nein kommt, dann leite daraus keine lange Liste ab. Eine einzige kleine Sache reicht – so klein, dass du sie sicher hältst. Ein Spaziergang, den dir niemand nimmt. Ein Abend ohne Handy. Ein „Nein“, das du dir diese Woche erlaubst. Nicht dreißig Vorsätze, die dich am nächsten Sonntag wieder anklagen. Nur einer, den du einlöst.

Mit der Zeit wird aus dieser einen Frage eine leise Gewohnheit. Sie macht den Sonntagabend nicht produktiver – sie macht ihn ehrlicher. Und sie erinnert mich Woche für Woche daran, dass ich nicht die Person bin, die auf meiner Liste als Letztes drankommt. Sondern die, mit der alles anfängt.

„Die Frage verlangt keine gute Antwort. Sie verlangt nur eine ehrliche.“

Vielleicht ist das dein Anfang

Diese eine Frage ist ein Anfang. Und wenn du beim ehrlichen Hinschauen merkst, dass du nicht allein weitergehen möchtest, sondern jemanden an deiner Seite, der mitdenkt und mitträgt – dann ist mein 1:1 Mentoring genau dafür da. In deinem Tempo, ohne Druck.

Und jetzt du: Welche Frage ist deine? Schreib mir – ich lese jede Antwort.

Ich wünsche dir viele kleine Aha-Momente.
Deine Sabine